Histörchen würzen meine Stadtrundgänge

In wenigen Wochen beginnt die Touristensaison 2018. Für mich ist es bereits die 24. Saison als Dresdner Gästeführerin. Und wie in jedem Jahr ist jetzt die Zeit, interessante, aussagekräftige Fotomappen für Führungen anzufertigen und neue Angebote publik zu machen. Bewährtes aus vergangenen Jahren wird übernommen. Ich meine, ich bin rundherum gut vorbereitet und freue mich vor allem auf die Rundgänge, die besonders gern von den Gästen gebucht werden und die mir immer wieder Lob und Anerkennung bringen.

Geführte Stadtrundgänge dürfen alles sein, nur nicht langweilig! Deshalb lockere ich sie gern mit einigen meiner „Histörchen aus dem Dresdner Altstadtkern“ auf. Stehe ich mit einer Reisegruppe zum Beispiel im Zwinger vor der Porzellansammlung, erzähle ich gern folgendes:

Beim Betrachten der prunkvollen Porzellanstücke stellt sich unweigerlich die Frage, wie gelangte das zerbrechliche Gut seinerzeit – also vor über 300 Jahren – aus Asien nach Europa? In Fässern, lautet die Antwort. Doch sie waren nicht mit Stroh oder Lumpen gefüllt, um den Stoß abzudämpfen, sondern mit Butter. Und damit die während der Reise nicht schmolz und das Porzellan folglich aneinanderstieß, hatten die Begleiter darauf zu achten, dass es den Fässern nicht zu warm wurde.

Einmal war eine besonders kostbare Porzellanfracht von China an den Sächsischen Hof unterwegs. Zunächst per Schiff, später per Pferdekutsche über die damals nicht eben asphaltierten Straßen nach Dresden. Angesichts des rasanten Fahrstiels des Kutschers trat dem Frachtbegleiter der Schweiß auf die Stirn. Er schob das Fenster herunter und rief dem Kutscher laut nach vorn zu: „Um Himmels Willen, fahre er doch bitte etwas vorsichtiger, ich habe wertvolle Fracht geladen!“ Da drehte der Kutscher sich um und rief gelassen zurück: „Keine Angst, der Herr, es ist alles in Butter!“

Übrigens ist verbürgt, dass dieses bekannte Sprichwort tatsächlich von derartigem Geschehen herrührt. Das betone ich, bevor ich mit meinen Gästen weitergehe zum Taschenbergpalais, einem schlossähnlichen Gebäude mit prächtiger Barockfassade. Einst war es das Liebesnest zwischen der skandalumwitterten Gräfin Cosel und August dem Starken. Doch das ist bereits die nächste Geschichte …

 

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